Governance

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Verigo/Governance

Allgemeines

Der Themenbereich Governance steht in „Deutschland noch ganz am Anfang seiner Entwicklung” (GORDON 2004a S. 16). Das Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften hat für Governance eine „Speyerer Definition“ entwickelt (REINERMANN 2002 S. 9 f.). Demnach handelt es sich bei Governance um einen Oberbegriff für komplexe gesellschaftliche Handlungszusammenhänge. „Governance will Lebensbereiche auf Werte und Ziele ausrichten und die mit ihnen befassten Personen und Gemeinschaften untereinander abstimmen. Governance ist somit ein eigenständiges typisches Handlungsfeld, gleichsam ein Meta-Lebensbereich“ (FOEV o.J.). Die Verwaltung (Government) ist in dieser Metastruktur nur ein Teilbereich. Während die Verwaltung eine Institution darstellt, bezeichnet Governance eine Funktion, die sich der Institutionen bedient. In dem Zusammenwirken der drei Sektoren Verwaltung, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen (NGO) besteht also die Governance. Governance wird als Sammelbegriff für „eine neue Generation von Staats- und Verwaltungsreformen diskutiert“ (BLANKE 2004 S. 247). Die Nutzung von Techniken der Informationsgesellschaft zur Optimierung oder gar erst zur Ermöglichung dieses Zusammenwirkens ist dann eGovernance.

eGovernance und eGovernment

Governance und Informationsgesellschaft stehen also in einem engen Zusammenhang. Ein Spannungsfeld ist dabei das zwischen Bürgern und Politik. Die Bürger sollen durch die neuen Beteiligungsformen, die durch die Techniken der Informationsgesellschaft möglich sind, intensiver und aktiver in Entscheidungsprozesse eingebunden werden können (REINERMANN 2002 S. 17). Auch zwischen Politik und Verwaltung sollen durch eGovernance „bessere Informationsgrundlagen“ entstehen, die insgesamt schnellere Reaktionen und eine innovativere Politik erwarten lassen (REINERMANN 2002 S. 18f). „Ziel von eGovernance ist es, Qualität und Effizienz in allen Phasen des Lebenszyklus von Gesetzen, Verordnungen und anderen Normen mit Hilfe von fortgeschrittenen Informations- und Kommunikationstechnologien zu steigern“ (GORDON 2004a S. 16). Während eGovernment nach dieser Lesart die technisch-organisatorische Struktur der Institutionen des Staates betont, richtet sich der Fokus von eGovernance mehr auf die Ausführungsfunktionen und die Unterstützung dieser Funktionen durch IT-Techniken. Insofern stellt eGovernance eine umfassende sozio-politische Betrachtungsweise des Themas eGovernment dar. Das Potential neuer Informations- und Kommunikationstechnologien soll dabei zur Verbesserung der Qualität von Zusammenarbeit und Unterstützung der Beteiligung am politischen Prozess ermöglichen (GORDON 2004b S. 258).

Quellen

GORDON 2004a : Gordon, Thomas F.: „Basis Wissen“, in move Moderne Verwaltung , Mai 2004, S. 16 −18 GORDON 2004b: Gordon, Thomas F.: „Die Bedeutung von eGovernance für die Öffentliche Verwaltung“, in: Verwaltung und Management, 10. Jg., Heft 5, 2004, S. 258 - 263 REINERMANN 2002: Reinermann, Heinrich: „Speyerer Definition von electronic Governance“ in: Reinermann, Heinrich; von Lucke, Jörn (Hrsg.): „Electronic Government in Deutschland“, Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung, Speyer, 2002, S. 1 - 19 FOEV o.J.: Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung, Speyer BLANKE 2004: Blanke, Bernhard; Schridde, Henning: „Wissensmanagement an der Schnittstelle öffentlicher Leistungsprozesse“, in: Verwaltung und Management, 10. Jg., Heft 5, 2004, S. 246 - 251